неделя, 18 август 2013 г.


Ohrwürmer im schönen Burghof 

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Beim Plassenburg-Open-Air setzen Dirigentin Ljubka Biagioni zu Guttenberg und das Sofia Philharmonic Orchestra auf Vielfalt. Das Publikum freut sich über die klassische Symphonie genauso wie über die Jazz-Songs des Bulgaren Vasil Petrov.


Kulmbach - Lange hat es gedauert, das erste Heimspiel der Dirigentin Ljubka Biagioni zu Guttenberg. Am Sonntagabend war es endlich soweit: Zusammen mit dem Sofia Philharmonic Orchestra trat die Musikerin, Ehefrau des Dirigenten Enoch zu Guttenberg, beim Plassenburg-Open-Air auf und überraschte ihr Publikum im Schönen Hof mit einer ungewöhnlichen Programmkonstellation: Im ersten Teil ganz klassisch Ludwig van Beethovens 3. Symphonie, im zweiten Teil ganz populär, Ohrwürmer der leichten Klassik plus romantische Songs der U-Musik mit dem fabelhaften bulgarischen Sänger Vasil Petrov als Überraschungsgast. Besser kann man ein sommerliches Open-Air-Konzert nun wirklich kaum zusammenstellen.
Dabei ist eigentlich Beethovens Dritte schon eine ganz populäre Komposition. Zumindest so, wie sie Ljubka Biagioni aufbaut, sinnfällig und zu einem harmonischen Ganzen gefügt. Die überschwängliche Begeisterung, mit der Beethoven die Komposition anging, als sie noch als Hommage an Napoleon gedacht war, ist in dieser Interpretation durchaus zu spüren.
Filigrane Klänge im ersten Satz, ein liebevoll gestalteter Trauermarsch im zweiten und viel tänzerischer Schwung im Finale - das alles macht Ljubka Biagionis Interpretation aus. Es ist eine souveräne Deutung in erstaunlich transparentem Klangbild. Sämtliche Motive werden ganz logisch in Stimmungen umgesetzt, mit großer Detailtreue und rhythmischer Akkuratesse. Da macht es auch nichts, dass zwischen den Sätzen applaudiert wird, Ljubka Biagioni ist zu sehr Profi, als dass sie das Klatschen ernsthaft stören könnte.
Neue Perspektiven
Dann die Ohrwürmer - eine Art "Best of Classic", was bei einem Open-Air-Konzert auch völlig in Ordnung ist. Georges Bizet Ouvertüre zur Oper "Carmen" etwa, mit beinahe ungezügelten Tempi, doch nicht minder detailversessen. Das Sofia Philharmonic Orchestra musiziert mit Hingabe, auch bei Pietro Leoncavallos Intermezzo aus "Cavalleria Rusticana". Wunderbar opernhaft, mit breiten Tempi und einer Betonung auf den lyrischen Schönheiten der Partitur spielen die Musiker, die noch am Abend zuvor in Schloss Herrenchiemsee aufgetreten waren.
Neue Perspektiven in der unerschöpflichen Vielschichtigkeit zu erschließen ist an diesem Abend nicht Sinn und Zweck. Trotzdem spielen die Musiker atmosphärisch dicht und dabei enorm klangschön.
Temperament und Musizierlust lassen sie unter Ljubka Biagiotti auch bei der Ouvertüre zur "Fledermaus" von Johann Strauss zur Geltung kommen. Das Werk strotzt nur so vor Energie und Witz, und Ljubka Biagiotti weiß genau, wie man die Lebenslust im Drei-Viertel-Takt fühlbar und den Überschwang hörbar macht. Zugegeben, ein wenig fremd sind da die weihnachtlichen Klänge von Peter Tschaikowskys "Nussknacker-Suite". Doch stets perfekt musiziert die Dirigentin, so dass Tschaikowsky auch zum lauen Sommerabend im Schönen Hof taugt.
Mit samtener Stimme
Absolute Höhepunkte waren freilich Songs wie das Love-Story-Thema "Where Do I Begin", "Killing Me Softly With This Song", oder "My Way". Der Jazz- und Popsänger Vasil Petrov, in seiner Heimat ein Star, verfügt über eine unglaubliche Bühnenpräsenz. Mit samtener Stimme und außergewöhnlicher Ausstrahlung wird der international gefragte Sänger zu Recht als bulgarischer Sinatra gefeiert. Ljubka Biagioni leitet dazu den riesigen Klangkörper, als wären derartige Cross-Over-Projekte ihr ureigenstes Anliegen. Davon würde man gerne noch mehr hören.
"Diese musikalische Vielfalt ist nicht nur für die Besucher spannend, sondern erlaubt es auch dem Orchester, seine Stärken und seinen Facettenreichtum unter Beweis zu stellen", hatte Biagioni angekündigt. Und genau diese Vielfalt ist es, die von dem außergewöhnlichen Abend noch lange in Erinnerung bleiben wird. Wie bei den legendären Neujahrskonzerten in Wien musiziert das bulgarische Orchester auf der Plassenburg als letzte Zugabe den "Radetzky-Marsch" zum Mitklatschen - ein weiterer Beweis für die ungeheure musikalische Bandbreite der Dirigentin.

Zwinkern wie Sinatra 

Residenzfestspiele – Swing mit der Big Band Rüsselsheim und Gesangssolisten

Heiße Stimmung auf der Mathildenhöhe: Die Big Band Rüsselsheim unter Leitung von Horst Aussenhof (Mitte) und der Sänger Vassil Petrov (links) heizten bei hochsommerlicher Witterung tüchtig ein. Foto: Andre Hirtz
Rund 600 Zuhörer ließen sich auf der Mathildenhöhe in die Blütezeit des Swing entführen. Mit der IKS Big Band Rüsselsheim und den Jazzsängern Camellia Todorova und Vassil Petrov erlebten sie einen beschwingten Abend mit Musik aus der Zeit des klassischen Big Band Jazz.
DARMSTADT.
Unter dem Motto „Big Swing is back in Town“ präsentierte die Big Band Rüsselsheim satte Klänge und elegante Arrangements. Bandleader Horst Aussenhof führte die Musiker mit minimalistischem Dirigat, aber effektiv durch die melodischen und harmonischen Standards des Big Band-Swings und bereits im ersten Stück des „King of Swing“ Benny Goodman sprang der Funke des Swings auf das Publikum über.
Die nächsten Songs – „One o'clock jump“, die Erkennungsmelodie von Jazz-Legende Count Basie, und das von Goodman arrangierte „All the cats join in“ – nutzten die Musiker zum Einspielen und stellten sich mit kurzen Solo-Einlagen quer durch alle Instrumentengruppen vor.
Mit dem großen Cole-Porter-Hit „I'll get a kick out of you“ betrat der erste Gast des Abends die Bühne: der bulgarische Jazzsänger Vassil Petrov. Souverän interpretierend begeisterte er vom ersten Ton an und kokettierte charmant und augenzwinkernd mit dem Publikum.
Petrov ist ein würdiger Nachfolger von Frank Sinatra: Nicht nur seine Stimmlage und sein warmer schmeichelnder Bariton, sondern auch die Geschmeidigkeit und Lässigkeit seines Auftritts lassen an „The Voice“ denken. Von der Klasse Petrovs ließen sich auch die Instrumentalisten inspirieren, so dass die Saxofon-Soli ebenso geschmeidig und flüssig erklangen wie Vassil Petrovs Gesang.
Der Saxofon-Klang lässt die Zuhörer schmelzenAls hätten sie sich jetzt freigespielt, präsentierten die jungen Amateur- und Profimusiker bei Cole Porters „Love for Sale“ in einem Arrangement von Alan Baylock, der die Melodie komplett in die Basslage verlegt hat, tolle ineinander verschränkte Bläserphrasen und ihren mitreißenden, satten Sound, der sie schon zu vielen internationalen Jazzfestivals geführt hat. Bei „Melt away“ sorgten dann nicht nur die immer noch hohen Abendtemperaturen dafür, dass das Publikum dahin schmolz, sondern auch der weiche und doch kraftvolle Saxofon-Ton der Solistin Johanna Klein, die im Verlauf des Abends noch einige Male ihr großes Talent hören lassen durfte, während Sax-Kollege Christian Seeger hier seine Fähigkeiten als Arrangeur und Dirigent offenbarte.
Camellia Todorova, eine der bedeutendsten bulgarischen Jazzsängerinnen, begann ihren Gastauftritt mit dem am Piano begleiteten „I've got a crush on you“ von Gershwin. Leider harmonierte ihre Stimme, die zunächst etwas hart anmutete, nicht so optimal im Duett mit Vassil Petrov. Doch bei der folgenden R'n'B-Nummer „Let the good times roll“ entfaltete sich ihre immense stimmliche Energie mit einem Volumen, das von rauchiger Tiefe bis in rockige Höhen reicht.
Dass ihre Wurzeln vor ihrer Jazzkarriere im Rockgesang liegen, zeigte sie perfekt mit ihrem für Big Band arrangierten Rocksong „Love is a war“ und in „Crazy little thing called love“ von Freddie Mercury, mit dem sie eine Freundschaft verband.
Bandleader Aussenhof führte auch nach der Pause mit launigen Anekdoten durch das Programm, das mit dem Gesangsquartett, nach ihm auch „Horstinetten“ genannt, und bekannten Stücken wie „I wish you love“ fortgesetzt wurde. Das Vokalquartett überzeugte als gut harmonierendes Ensemble, das mit viel Spaß und Tempo auch sprachlich vertrackte Lyrics darbot.
Mit lateinamerikanische Rhythmen wurde den Zuhörern noch einmal eingeheizt – die Big Band außer Rand und Band – , bevor Vassil Petrov sich mit weiteren Swing-Klassikern verabschiedete.