Ohrwürmer im schönen Burghof
http://www.frankenpost.de/Beim Plassenburg-Open-Air setzen Dirigentin Ljubka Biagioni zu Guttenberg und das Sofia Philharmonic Orchestra auf Vielfalt. Das Publikum freut sich über die klassische Symphonie genauso wie über die Jazz-Songs des Bulgaren Vasil Petrov.
Kulmbach -
Lange hat es gedauert, das erste Heimspiel der Dirigentin Ljubka
Biagioni zu Guttenberg. Am Sonntagabend war es endlich soweit: Zusammen
mit dem Sofia Philharmonic Orchestra trat die Musikerin, Ehefrau des
Dirigenten Enoch zu Guttenberg, beim Plassenburg-Open-Air auf und
überraschte ihr Publikum im Schönen Hof mit einer ungewöhnlichen
Programmkonstellation: Im ersten Teil ganz klassisch Ludwig van
Beethovens 3. Symphonie, im zweiten Teil ganz populär, Ohrwürmer der
leichten Klassik plus romantische Songs der U-Musik mit dem fabelhaften
bulgarischen Sänger Vasil Petrov als Überraschungsgast. Besser kann man
ein sommerliches Open-Air-Konzert nun wirklich kaum zusammenstellen.
Dabei ist eigentlich Beethovens Dritte schon eine ganz populäre
Komposition. Zumindest so, wie sie Ljubka Biagioni aufbaut, sinnfällig
und zu einem harmonischen Ganzen gefügt. Die überschwängliche
Begeisterung, mit der Beethoven die Komposition anging, als sie noch als
Hommage an Napoleon gedacht war, ist in dieser Interpretation durchaus
zu spüren.
Filigrane Klänge im ersten Satz, ein liebevoll gestalteter Trauermarsch im zweiten und viel tänzerischer Schwung im Finale - das alles macht Ljubka Biagionis Interpretation aus. Es ist eine souveräne Deutung in erstaunlich transparentem Klangbild. Sämtliche Motive werden ganz logisch in Stimmungen umgesetzt, mit großer Detailtreue und rhythmischer Akkuratesse. Da macht es auch nichts, dass zwischen den Sätzen applaudiert wird, Ljubka Biagioni ist zu sehr Profi, als dass sie das Klatschen ernsthaft stören könnte.
Neue Perspektiven
Dann die Ohrwürmer - eine Art "Best of Classic", was bei einem Open-Air-Konzert auch völlig in Ordnung ist. Georges Bizet Ouvertüre zur Oper "Carmen" etwa, mit beinahe ungezügelten Tempi, doch nicht minder detailversessen. Das Sofia Philharmonic Orchestra musiziert mit Hingabe, auch bei Pietro Leoncavallos Intermezzo aus "Cavalleria Rusticana". Wunderbar opernhaft, mit breiten Tempi und einer Betonung auf den lyrischen Schönheiten der Partitur spielen die Musiker, die noch am Abend zuvor in Schloss Herrenchiemsee aufgetreten waren.
Neue Perspektiven in der unerschöpflichen Vielschichtigkeit zu erschließen ist an diesem Abend nicht Sinn und Zweck. Trotzdem spielen die Musiker atmosphärisch dicht und dabei enorm klangschön.
Temperament und Musizierlust lassen sie unter Ljubka Biagiotti auch bei der Ouvertüre zur "Fledermaus" von Johann Strauss zur Geltung kommen. Das Werk strotzt nur so vor Energie und Witz, und Ljubka Biagiotti weiß genau, wie man die Lebenslust im Drei-Viertel-Takt fühlbar und den Überschwang hörbar macht. Zugegeben, ein wenig fremd sind da die weihnachtlichen Klänge von Peter Tschaikowskys "Nussknacker-Suite". Doch stets perfekt musiziert die Dirigentin, so dass Tschaikowsky auch zum lauen Sommerabend im Schönen Hof taugt.
Mit samtener Stimme
Absolute Höhepunkte waren freilich Songs wie das Love-Story-Thema "Where Do I Begin", "Killing Me Softly With This Song", oder "My Way". Der Jazz- und Popsänger Vasil Petrov, in seiner Heimat ein Star, verfügt über eine unglaubliche Bühnenpräsenz. Mit samtener Stimme und außergewöhnlicher Ausstrahlung wird der international gefragte Sänger zu Recht als bulgarischer Sinatra gefeiert. Ljubka Biagioni leitet dazu den riesigen Klangkörper, als wären derartige Cross-Over-Projekte ihr ureigenstes Anliegen. Davon würde man gerne noch mehr hören.
"Diese musikalische Vielfalt ist nicht nur für die Besucher spannend, sondern erlaubt es auch dem Orchester, seine Stärken und seinen Facettenreichtum unter Beweis zu stellen", hatte Biagioni angekündigt. Und genau diese Vielfalt ist es, die von dem außergewöhnlichen Abend noch lange in Erinnerung bleiben wird. Wie bei den legendären Neujahrskonzerten in Wien musiziert das bulgarische Orchester auf der Plassenburg als letzte Zugabe den "Radetzky-Marsch" zum Mitklatschen - ein weiterer Beweis für die ungeheure musikalische Bandbreite der Dirigentin.
Filigrane Klänge im ersten Satz, ein liebevoll gestalteter Trauermarsch im zweiten und viel tänzerischer Schwung im Finale - das alles macht Ljubka Biagionis Interpretation aus. Es ist eine souveräne Deutung in erstaunlich transparentem Klangbild. Sämtliche Motive werden ganz logisch in Stimmungen umgesetzt, mit großer Detailtreue und rhythmischer Akkuratesse. Da macht es auch nichts, dass zwischen den Sätzen applaudiert wird, Ljubka Biagioni ist zu sehr Profi, als dass sie das Klatschen ernsthaft stören könnte.
Neue Perspektiven
Dann die Ohrwürmer - eine Art "Best of Classic", was bei einem Open-Air-Konzert auch völlig in Ordnung ist. Georges Bizet Ouvertüre zur Oper "Carmen" etwa, mit beinahe ungezügelten Tempi, doch nicht minder detailversessen. Das Sofia Philharmonic Orchestra musiziert mit Hingabe, auch bei Pietro Leoncavallos Intermezzo aus "Cavalleria Rusticana". Wunderbar opernhaft, mit breiten Tempi und einer Betonung auf den lyrischen Schönheiten der Partitur spielen die Musiker, die noch am Abend zuvor in Schloss Herrenchiemsee aufgetreten waren.
Neue Perspektiven in der unerschöpflichen Vielschichtigkeit zu erschließen ist an diesem Abend nicht Sinn und Zweck. Trotzdem spielen die Musiker atmosphärisch dicht und dabei enorm klangschön.
Temperament und Musizierlust lassen sie unter Ljubka Biagiotti auch bei der Ouvertüre zur "Fledermaus" von Johann Strauss zur Geltung kommen. Das Werk strotzt nur so vor Energie und Witz, und Ljubka Biagiotti weiß genau, wie man die Lebenslust im Drei-Viertel-Takt fühlbar und den Überschwang hörbar macht. Zugegeben, ein wenig fremd sind da die weihnachtlichen Klänge von Peter Tschaikowskys "Nussknacker-Suite". Doch stets perfekt musiziert die Dirigentin, so dass Tschaikowsky auch zum lauen Sommerabend im Schönen Hof taugt.
Mit samtener Stimme
Absolute Höhepunkte waren freilich Songs wie das Love-Story-Thema "Where Do I Begin", "Killing Me Softly With This Song", oder "My Way". Der Jazz- und Popsänger Vasil Petrov, in seiner Heimat ein Star, verfügt über eine unglaubliche Bühnenpräsenz. Mit samtener Stimme und außergewöhnlicher Ausstrahlung wird der international gefragte Sänger zu Recht als bulgarischer Sinatra gefeiert. Ljubka Biagioni leitet dazu den riesigen Klangkörper, als wären derartige Cross-Over-Projekte ihr ureigenstes Anliegen. Davon würde man gerne noch mehr hören.
"Diese musikalische Vielfalt ist nicht nur für die Besucher spannend, sondern erlaubt es auch dem Orchester, seine Stärken und seinen Facettenreichtum unter Beweis zu stellen", hatte Biagioni angekündigt. Und genau diese Vielfalt ist es, die von dem außergewöhnlichen Abend noch lange in Erinnerung bleiben wird. Wie bei den legendären Neujahrskonzerten in Wien musiziert das bulgarische Orchester auf der Plassenburg als letzte Zugabe den "Radetzky-Marsch" zum Mitklatschen - ein weiterer Beweis für die ungeheure musikalische Bandbreite der Dirigentin.
